Aufbruch zum Level-B-Wachstum: Eine persönliche Erinnerung
Der folgende Blogeintrag von 2006 beschreibt meine Empfindungen, die ich vor 4 Jahren durchlebte, im Zusammenhang mit einer inneren Neuorientierung meiner Spiritualität und damit auch meines Gemeindeverständnisses und meiner Beziehungen. Schlüsselbegriff war "das Eigentliche finden, im Eigentlichen leben". Nachdem ich 2 Jahre zuvor meine erste geistliche Heimat mit dem Ziel der Horizonterweiterung verlassen hatte wollte ich nicht "das Gleiche nur besser und mehr" haben. Ich spürte eine starke Anziehung hin zu etwas Anderem. Ich vermute heute, dass dieses Erleben eine Art Aufbruch zum Level-B-Wachstum war, wie es Christian Schwarz in seinem Buch beschreibt
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"Die Kirchengemeinde, zu der ich seit 2004 gehöre, ist eine ganz normale Freikirche, also eine Viel-Programm-inspirierende-Gottesdienste-liebevolle-Beziehungen-Kirche, mit dem üblichen Raum für die ganz üblichen menschlichen Attitüden und Ansprüche und Einbildungen, und - wie alle anderen auch - mit einem ganz eigenen Stallgeruch. Einem übrigens sehr angenehmen Stallgeruch.
Die Veränderungen der letzten Monate, wie ich sie erlebe, in mir - ohne Schuldzuweisungen oder Bitterkeiten; es ist so: Ich mag nicht in einem der Lobiteams mitspielen. Ich mag nicht die Lobiteams koordinieren. Ich mag nicht die von mir gegründete Kleingruppe weiterführen. Ich gehe aus den Gottesdiensten meistens raus, wie ich reingekommen bin.
Ausgebremst: Als ob ich auf der Autobahn zwischen ein paar Lastern auf der rechten Spur hänge, und auf den beiden linken Spuren ziehen die Anderen an mir vorbei - manche schauen raus, manche grüßen, manche blicken mich fragend an, andere erschreckt. Ja, das trifft es besser. Denn ich bin ja in der Gemeinde, und zwar nicht nur äußerlich, sondern bewusst, freiwillig - gerne. Weil es nicht nur irgend ein Verein ist, sondern die Gemeinde Jesu. Ich bin nicht dort, um mich selbst zu verwirklichen oder in der Freizeit meine Karriereprobleme zu kompensieren oder einem Hobby zu frönen (z.B. mit netten Leuten Musik zu machen, die meinen Dilettantismus aushalten ohne mich anzublöken), oder um jemand zu sein. Alles wichtige Motive des menschlichen Daseins, und allesamt mehr oder weniger in Menschen der Gemeinde zu finden, auch in mir. Aber ich bin nicht deshalb dort. Ich bin deshalb dort, weil ich vor 24 Jahren Jesus kennen gelernt habe, und weil ich Ihn dort erlebte wie sonst nirgendwo.
Und genau das ist derzeit mein Problem: Ich erlebe Ihn dort zu oft so, wie ich Ihn auch sonst auch überall erlebe. Manchmal denke ich sogar nach einem Gottesdienst: Da hätte ich eigentlich auch im Wald oder in einen Park oder in meinem Zimmer sein und beten können. Es ist wohl mein Problem, dass ich die Übergangszeit unterschätzt habe. Sie ist noch nicht abgeschlossen, die 22 Jahre in meiner ersten Gemeinde stecken mir noch mehr in den Knochen als mir lieb ist, die gemeindliche Trennung von meinen jugendlichen Kindern ebenso. Ich hatte gedacht, ich selbst wäre so sehr beziehungsorientiert gewesen, auch schon vor meinem Wechsel. Aber das stimmt anscheinend gar nicht. Ich war aufgegangen in meiner Verantwortung, meinem Dienst, meinen Aktivitäten, für die ich zwischen 2000 und 2004 etwa 20 Stunden pro Woche aufwendete - mehr als nur ein Hobby. Aber da Vieles in Form von Besprechungen und Kommunikation und Gebet stattfand, und da ich in alledem mit aller Kraft nach tiefen Beziehungen SUCHTE, verwechselte ich es damit, solche Beziehungen bereits zu erleben.
Nun wird es langsam klar. Die Schlingen sehe ich hängen, die verdeckten Gruben durchschaue ich, die giftigen Dämpfe sind grün gefärbt: All diese ganzen Anreiz-Systeme, die niemand wirklich bewusst mit dieser Absicht erfunden hat - niemand außer dem einen kleinen, der so verzweifelt gerne groß wäre und die Menschen abgrundtief hasst, weil sie einmal größer sein sollen als er jemals war.
Aber ich habe noch nicht genug von dem Eigentlichen, von der Substanz, in mir, um schon fest stehen zu können im Eigentlichen. Ich bin hin und her geworfen und komme mir manchmal vor wie ein Spielball meiner eigenen unreifen Gefühle. Nicht gerade angenehm, das. Es ist, wie wenn ich Ziel und Richtung meiner Reise so klar vor Augen habe wie noch nie zuvor, aber gleichzeitig weht mir der Wind entweder entgegen (wie kreuzt man nochmal vor dem Wind?) oder es weht überhaupt keiner."
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Knapp 2 Jahre nach diesem Blogeintrag wechselte ich mit meiner Frau in eine presbyterianische Gemeinde, die - vermutlich - mehr meinem Gegenpol "Rechtgläubigkeit" entspricht.
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